Es liest sich wie ein politischer Thriller: ein großer Natursee, Tonnen umstrittener Abfälle, hochrangige Beamte, die die Regeln lockern, und ein jahrelanger Rechtsstreit gegen den Journalismus. Der Zembla-Untersuchungsbericht über die Ablagerung von Granulit im Natursee ‚Over de Maas‘ legt ein schmerzhaftes Dossier über die Beziehung zwischen der Wirtschaft und der Regierung offen.
Was ist Granulit eigentlich?
Der Kern des Konflikts dreht sich um Granulit, ein Restprodukt aus der Steinschlagindustrie. Laut Hersteller Bontrup (über die Tochtergesellschaft GIB) ist es ein nützlicher Rohstoff. Umweltgutachter und der ehemalige Umweltstaatsanwalt Gustaaf Biezeveld stellten in der Sendung jedoch fest, dass es sich laut Gesetz überhaupt nicht um ‚Boden‘, sondern um Abfall handelt.
Der Unterschied ist entscheidend: Für Abfall gelten viel strengere Regeln als für Boden. Indem man es als Boden bezeichnete, konnte das Material billig und in großem Umfang in der Gelderländer Natur deponiert werden.
Die Rolle von Rijkswaterstaat und Halbe Zijlstra
Zembla rekonstruiert in dem Video, wie hochrangige Beamte von Rijkswaterstaat eine bemerkenswerte Rolle spielten. Trotz Warnungen von eigenen Beratern vor den schädlichen Folgen für Mensch und Umwelt schien der Weg für die Abfalldeponie freigemacht zu werden.
Dabei fällt auch der Name des ehemaligen Ministers Halbe Zijlstra, der nach seiner politischen Karriere Lobbyist für das beteiligte Unternehmen wurde. Die Sendung untersucht, welchen Einfluss diese politischen Verbindungen auf die Entscheidungsfindung rund um den Natursee hatten.
Ein jahrelanger Rechtsstreit
Nach der ursprünglichen Sendung im Jahr 2020 beließ es das Unternehmen nicht dabei. Es folgte ein fast sechsjähriger Rechtsstreit gegen Zembla und die interviewten Experten.
- Im Jahr 2022 urteilte das Gericht noch, dass Zembla eine Richtigstellung vornehmen müsse.
- Im Jahr 2024 wurde dies im Berufungsverfahren aufgehoben.
- Im Oktober 2025 hat der Hohe Rat endgültig entschieden, dass die Veröffentlichungen von Zembla rechtmäßig waren.
